Der Mann mit dem Röntgenblick Ein Leben für die Radiologie

1973: Was haben Sie vor 48 Jahren gemacht? Für Daniel Guillet war es der Beginn seiner Karriere als Fachmann für medizinisch-technische Radiologie (MTRA) im damaligen Kantonsspital Freiburg. Nun wird er pensioniert. Rückblick auf ein Lebenswerk.

Auch wenn er seiner Pensionierung gelassen entgegensieht: Daniel Guillet gibt zu, dass es „schon seltsam sein wird, das Kantonsspital statt wie seit 48 Jahren über den Personaleingang in Zukunft wie jedermann durch den Haupteingang zu betreten.“ Sie haben richtig gelesen: 48 Jahre am Spital.

Klick gemacht hat es mit 14 Jahren: „Damals habe ich meinen Vater, der als Pflegefachmann am Kantonsspital arbeitete, bei seinen Wochenendpiketts begleitet“, erinnert sich Guillet, heute Leitender MTRA in der Abteilung Radiologie. Ans Kantonsspital Freiburg kam er 1973, ein Jahr nach dessen Eröffnung: „Das Spital war brandneu und wurde im Wesentlichen von Nonnen geführt. Dann ging alles sehr schnell; bereits mit 23 Jahren war ich Teamleiter.“ Lächelnd fügt er hinzu: „Wie gewisse Engländer, die nur Prinz Philip gekannt haben, haben selbst meine ältesten Mitarbeiter als Chef nur mich gekannt.“

Eine technische Revolution

Fast fünf Jahrzente lang hat er die Freiburgerinnen und Freiburger durchleuchtet. „Früher haben wir die Röntgenfilme noch von Hand entwickelt, später hat die Digitalisierung unseren Beruf revolutioniert. Darauf folgten die Computer- und die Magnetresonanztomografie sowie die interventionelle Radiologie.“ Daniel Guillet spricht ohne Nostalgie über diese Neuerungen: „Ich bin keiner, der denkt, dass früher alles besser war.“ Im Gegenteil, er ist froh um die Fortschritte: „Heute erhält man mit einer vier- bis sechsmal geringeren Strahlendosis hervorragende Aufnahmen!“

In den letzten Jahren war er aufgrund seiner Funktion zwar mehr mit administrativen Aufgaben als mit der Bedienung seiner Hightech-Geräte beschäftigt, doch für ihn zählt nur eines: „In erster Linie sind wir Pflegende.“ 

 

Das war besonders...

gruselig: „Ich musste eine Röntgenaufnahme von einem aufgebahrten Patienten machen, vergass aber, auf der Aufnahme die geröntgte Körperseite zu markieren. Deshalb musste ich zurück in die Leichenhalle und den erschossenen Patienten noch einmal röntgen. Der Richter musste wissen, wie die Kugel in den Körper eingedrungen war, um herauszufinden, ob es sich um Suizid oder Mord handelte.“

VIP: „Der damalige Bundesrat Joseph Deiss wurde in der Notaufnahme aufgenommen, ohne dass ihn jemand erkannte. Er kam wie ein ganz normaler Patient für ein Röntgen zu uns, wo wir ihn sogleich erkannten.“

erschütternd: „Ich musste in der Pädiatrie ein zehnjähriges Mädchen röntgen, das anschliessend verstarb. Wie es sich herausstellte, war es die Tochter einer Ärztin, die beim Röntgen dabei war. Wenn Kinder betroffen sind, ist es immer schwierig.“

lustig: “Eine Person, die am HFR arbeitete, musste sich im Spital röntgen lassen. In der Hoffnung, man würde sie nicht erkennen, gab sie die ganze Zeit über einen falschen Namen an.“

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