Fünfzehn Jahre an der Spitze der Inneren Medizin und im Dienste der Nachwuchsförderung

Die Karriere von Professor Daniel Hayoz, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin seit 2006, geht dort zu Ende, wo sie vor knapp 40 Jahren ihren Anfang genommen hat: am HFR. Wer aber meint, Prof. Hayoz sei auf der Stelle getreten, irrt gewaltig.

Wenige Tage vor seiner Pensionierung empfängt uns Professor Hayoz in seinem Büro. Hier häufen sich Dutzende Papierstapel mit Dokumenten in Sichthüllen oder lose; daneben Bücher und Ordner, manche schön in Reih und Glied, manche kurz vor dem Umkippen. „Das ist keine Unordnung! Ich habe den Überblick und weiss genau, was ich wo finde“, versichert er uns. Es handelt sich um Rezensionen, Fallstudien, Schriftwechsel und Abhandlungen. Er selbst hat im Laufe seiner Karriere nahezu 300 Artikel veröffentlicht. Doch ein Grossteil dieses Wissens wird im Altpapier landen. „So ist das nun mal, so ist das Leben. Irgendwann muss man den Sessel räumen.“
Ganz zutreffend ist das jedoch nicht. Zunächst einmal, weil Professor Hayoz in seinen 15 Jahren am HFR zwangsläufig bleibende Spuren hinterlassen hat. Aber auch, weil er weiterhin für das freiburger spital tätig sein wird: zu 10 Prozent als Belegarzt in der Klinik für Angiologie und zu 30 Prozent in seiner neu geschaffenen Funktion als Leiter der Abteilung für Forschung und Nachwuchs.

Damit wird er einerseits die Angiologie entlasten, die auf den Standort Tafers ausgeweitet wird (10 %) und andererseits sicherstellen, dass der Nominierungsprozess es den besten Ärztinnen und Ärzten ermöglicht, Kaderfunktionen am HFR einzunehmen (30 %). Davon wird insbesondere auch die Person profitieren, die seine Nachfolge annimmt; bislang ist die Nachfolgerin oder der Nachfolger allerdings noch nicht bekannt. „Als Mitglied des SIWF (Schweizerisches Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung, die zentrale Instanz rund um ärztliche Weiter- und Fortbildung) kennt man die Schweizer Spitallandschaft gut und weiss, was gerade läuft“, erklärt Professor Hayoz. „Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um die charismatischsten Spezialistinnen und Spezialisten zu uns holen, die unsere angehenden Ärzte betreuen können und wollen, damit das HFR für Letztere attraktiv bleibt.“ Sehr zum Bedauern von Daniel Hayoz wandern nämlich zu viele Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin in die Privatwirtschaft ab.

Er selbst hat die Klinikleitung am HFR vor 15 Jahren übernommen, im Jahr 2006. Damals war er ordentlicher Professor am CHUV und Leiter der vaskulären Medizin. „Mein Vorgänger hier, Professor Claude Regamay, hat mir seine Nachfolge angeboten. Damals liebäugelte ich gerade mit einer neuen Stelle in Zürich. Aber als Freiburger musste ich bei diesem Angebot nicht lange überlegen! Dabei war es das erste Mal, dass ein ordentlicher Professor dem CHUV den Rücken kehrte, um „aufs Land“ zu ziehen! Das wurde unterschiedlich gewürdigt…“, lacht Professor Hayoz. Danach kommt er auf die wertvolle Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Professor Daniel Betticher zu sprechen. Gemeinsam haben sie sich dafür eingesetzt, „diese Klinik in die Zukunft zu führen und die Entfaltung junger Ärztinnen und Ärzte zu fördern.“ Schon immer war ihm der Nachwuchs sehr wichtig. In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg engagierte er sich daher aktiv für den Aufbau des Master-Studiengangs in Humanmedizin, der schliesslich 2019 startete. Als Vorgesetzter hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die Neugierde seiner Mitarbeitenden zu fördern und sein Team und seine Studierenden zu ermutigen, der Sache auf den Grund zu gehen, sich nicht mit dem einfachen Weg zu begnügen, nachzudenken, sich ständig zu hinterfragen: „um sich herauszufordern, um zu lernen, um besser zu werden. Letztendlich zum Wohle der Patientinnen und Patienten!“

Die Patienten: Für ihn sind sie es, die seinen Beruf ausmachen

A propos Patienten: Für ihn sind sie es, die seinen Beruf ausmachen. Auch heute noch. Selbst als Klinikchefarzt nahm er sich Zeit, um die Patienten in den Zimmern zu besuchen, und auch nach seiner Pensionierung wird er dies ab und zu tun. Dem war aber nicht immer so: „Ich habe mich nicht in erster Linie aus Nächstenliebe für diesen Beruf entschieden. Vielmehr war es die – etwas egoistische – Neugierde, die mich antrieb“, gesteht er offen. „Ich war fasziniert von den grossen Namen wie Pasteur, Cushing, Crick und Watson… Erst mit der Zeit und mit der Erfahrung wurde die Tatsache, dass ich kranken Menschen helfen konnte, zum edelsten und wichtigsten Teil meiner Tätigkeit.“ Gleichzeitig räumt er ein, dass diese Berufung es heute schwerer hat: „Wir ertrinken in Informationen. Sie zu sortieren ist zeitraubend. Das Internet macht, dass jeder glaubt, er wisse Bescheid. Doch viele verwechseln Informationen und Wissen. Für die Jüngeren unter uns ist das ziemlich verunsichernd. Um auf diese immer anspruchsvolleren Bedürfnisse zu reagieren, braucht es neue Kompetenzen in der Kommunikation.“

Doch das darf er nun getrost anderen überlassen. Professor Hayoz widmet sich nämlich ab sofort vermehrt seiner „heimlichen“ Leidenschaft, der Medtech: „Vor einigen Jahren bin ich unter die Erfinder gegangen!“ Dazu zählen beispielsweise Herzklappen und künstliche Blasenschliessmuskeln, für die er mehrere Patente innehat. Er hat verschiedene Startups gegründet und ist zudem in einem Investmentfonds tätig, der medizinische Innovationen finanziert. Der Frischpensionierte wechselt also nun in die Hightech, was ihm neue Blicke auf die Medizin eröffnen wird.

Bevor wir das Gespräch abschliessen, möchte Prof. Hayoz noch ein weiteres Thema ansprechen, das ihm am Herzen liegt: „Was die Pflegerinnen und Pfleger während der Covid-Krise geleistet haben, ist unglaublich. Sie sind zur Arbeit gekommen, obwohl sie Angst hatten, obwohl sie Risikopersonen in ihrem Umfeld hatten, selbst wenn sie erschöpft waren. Sie haben diese unsichere, belastende Zeit gemeistert, ohne sich zu beschweren. Das ist bewundernswert.“

Ein Lebenslauf voller Höhepunkte

Die Karriere von Prof. Daniel Hayoz nimmt 1985 ihren Anfang am HFR, als er dort seine zweijährige Unterassistenz antritt. Und hier geht sie 2021 zu Ende. In diesen Jahren ist viel passiert: Von 1987 bis 1989 ist er assoziierter Forscher am ISREC (Institut für Biochemie in Epalinges), bevor er ins CHUV eintritt und dort seinen Weg in der Inneren Medizin macht. Während er mit einem Fuss in Lausanne bleibt und gleichzeitig in Paris und Freiburg im Breisgau klinische Forschung betreibt, bildet er sich bis 1995 am Inselspital in Angiologie weiter. Im gleichen Jahr kehrt er nach Lausanne zurück und übernimmt die Leitung der Abteilung Angiologie des CHUV. Er war Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Angiologie, Vize-Präsident der Europäischen Gesellschaft für klinische Forschung sowie Leiter der Arbeitsgruppe Kardiovaskuläre Biologie der Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie. Er hat diverse Auszeichnungen erhalten und zahlreiche Publikationen verfasst. 2004 wird Dr. med. Hayoz zum ordentlichen Professor am CHUV und später in Freiburg ernannt. Vor 15 Jahren hat er die Leitung der Klinik für Allgemeine Innere Medizin des HFR übernommen. Am 11. Juni ist er 65 Jahre alt geworden.

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